Bună ziua!
 
sagt man bei mir zuhause in Rumänien, wenn man jemanden begrüßt. So um 2011/12 wurde ich dort geboren.

Aber irgendwie wollten die mich da nicht mehr, und so kam ich Anfang 2020 ins Tierheim nach Rüsselsheim.

Es war am Beginn des ersten Corona-Lockdowns und auch Hunde durften nicht besucht werden. Mir würde Bewegung fehlen, haben sie behauptet. Ihr wisst, was das bedeutet, besonders, wenn man es über eine reifere Dame sagt. Trotzdem stand da in der Woche vor Ostern plötzlich einer, der mich kennenlernen wollte. Also da ich von meinem schlechten Ruf wusste und er auch noch Laufschuhe an hatte, habe ich gleich signalisiert: „Kannst Du rennen?“ Das war ein Spaß, für uns beide.

Und zwei Tage später, es war Gründonnerstag, bin ich umgezogen. Jetzt habe ich ein tolles Grundstück im Komponistenviertel in Darmstadt und viel Platz zum Rennen, ein großes Haus mit zwei Schlafplätzen und meinen eigenen Futternapf, den ich mit keinem teilen muss.
Und ich habe einen, der mich knuddelt, wenn es sein muss – und es muss oft sein! Und über den wollt ihr ja was erfahren, sonst wärt ihr ja nicht auf dieser Seite gelandet.

Aber es gibt auch noch mehr zu meiner Person, klickt einfach auf http://lena.lp-info.de

Also, dass der Andi Hunde liebt, das ahnt ihr sicher schon. Ich bin wohl schon der vierte im Haus. Aber sein wichtigster war der Nico, der am 30.12.2019 gestorben ist. 14 Jahre waren die beiden zusammen, eigentlich muss ich sagen die drei, denn da lebte Ingrid noch, die Andi schon 35 Jahre lang kannte und mit der er am 5.8.2019 Silberhochzeit gefeiert hätte, aber leider konnte sie sich daran schon nicht mehr erinnern. Der Andi sagt, das wäre einer der härtesten Tage in seinem Leben gewesen.

Da ahnte noch keiner, dass sie den Nico wohl nur vorgeschickt hatte, um ihr den Weg zu zeigen, denn am 18.1.2020 musste auch sie den Andi verlassen.

Nach drei Jahren, die er sich rund um die Uhr um Ingrid gekümmert hatte, wollte er wieder in den Beruf einsteigen. Es boten sich mehrere Stellen an und er entschied sich ziemlich schnell für Büttelborn. Während das Bewerbungsverfahren lief, versuchte der Andi vieles nachzuholen, worauf er in den letzten Jahren verzichten musste. Er kaufte sich eine BahnCard100 für drei Monate, setzte sich früh morgens schon in den Zug und besuchte vertraute Menschen und vertraute Orte, machte eine lange Wanderung oberhalb des Mittelrheins, besuchte endlich mal wieder das Verkehrsmuseum in Nürnberg oder war zum Mittagessen in München. Eigentlich lief das ganz gut an, aber nach einem Monat, er war gerade für ein paar Tage in Berlin, kam der erste Lockdown. Das muss ihn ziemlich umgeworfen haben, weil er nun wieder ganz massiv eingeschränkt war, wieder nicht richtig weg konnte, wieder keine Freunde treffen konnte. Am 26. März wollte er seinen 60. Geburtstag in Wien feiern. Es war alles vorbereitet, aber die Grenzen waren zu.

Nun ist der Andi aber jemand, der sagt, dass man wissen muss, was man will, und dass man ein Ziel haben muss, was man ansteuert, dass man aber auch immer für Änderungen bereit sein muss. Und da Büttelborn als Dienstort so gut wie fest stand und dort ein schönes Pfarrhaus mit großem Garten steht, hielt er es für verantwortbar, nach einem Wesen wie mir zu suchen, obwohl eigentlich gar kein neuer Hund eingeplant war. Er hatte schon eine Hündin im Pfungstädter Tierheim kennengelernt und eine bei uns in Rüsselsheim, aber – wie ihr wisst – habe ich das Rennen gemacht.

Meine Vorstellung, dass mein Platz auf dem Beifahrersitz wäre, wo man eine tolle Aussicht hat, konnte ich allerdings nicht durchsetzen. Ich musste in die Hundebox auf dem Rücksitz, aber sie ist ziemlich groß und ich kann sogar darin stehen. Ist auch ok, man ist ja als Hund gewohnt, Kompromisse einzugehen.

Da war es Mitte April, und wir hatten noch einen guten Monat Zeit, um uns kennenzulernen, bevor der Andi an Pfingstsonntag seinen Dienst in Büttelborn antrat. Also habe ich erstmal alle Wege im Umkreis von zwei Kilometern gezeigt bekommen, damit ich im Zweifelsfall wieder nach Hause finde. Auch Büttelborn haben wir schon gemeinsam erkundet. Und dann haben wir natürlich tolle Ausflüge gemacht. Wir waren im Schwarzwald, im Thüringer Wald und an der Mosel.

Und der Andi hat mir seine Heimat am Bodensee gezeigt. Schön ist es ja, aber Wasser brauche ich nur zum Trinken, sonst kann man mich damit jagen! Sein Nico war da wohl ganz anders, aber es sind eben nicht alle gleich, weder Hunde noch Menschen!

Ich kann jedenfalls verstehen, dass es den Andi immer wieder dahin zieht und er meint, er wäre als kleines Kind wegen der Versetzung seines Vaters nach Darmstadt „verschleppt“ worden. Er hat mir auch gezeigt, wo die Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz verläuft.

Da hatten sie für mehrere Wochen einen doppelten Zaun gestellt und keiner kam auf die andere Seite. Das hat eine ganz tiefe Narbe in seinem Herz hinterlassen, weil Konstanz, wo er 1960 geboren wurde, und Kreuzlingen einfach zusammen gehören und man das genauso wenig trennen darf, wie Ost- und West-Berlin, wo der Andi übrigens noch zu Mauerzeiten studiert hat.

Vor Berlin war er in Kiel, Mainz und Frankfurt, wo er nach der Schule 1978 angefangen hat, Theologie zu studieren. Nach seiner Konfirmation hatte er schon ganz viel in der Kirche gemacht, besonders in Kindergottesdienst- und Jugendarbeit, aber auch musikalisch und im Kirchenvorstand. Dabei war ihm das wohl nicht in die Wiege gelegt. Immerhin hat er sein Abitur im Schwerpunkt Physik an der LIO in Darmstadt gemacht. Und viele haben lange geglaubt, dass er Bauingenieur wird und seine Liebe zur Eisenbahn zum Beruf macht. Dass sein Herz noch immer für die Technik schlägt, sieht jeder, der mal bei uns in den Keller schaut.

Nach Berlin ging es dann zurück in unsere Region und zum Abschluss des Theologiestudiums und zum ersten Examen an die Universität in Heidelberg. In der Zeit lernte er auch Ingrid kennen.

1988 kam das Vikariat in der Philipp-Melanchthon-Gemeinde in Raunheim.

War der Andi zehn Jahre vorher noch ganz bewusst am letzten Schultag aus der Schule gegangen mit der festen Überzeugung, nie wieder eine Schule betreten zu wollen, so hatte sich das im Studium genau umgedreht. Reli-Unterricht von den Kleinen in der Grundschule bis zu den jungen Erwachsenen, das machte ihm Spaß, und in dem Bereich wollte er nun sehr gerne arbeiten. Aber davon hielt die Kirche nicht viel. Der junge Pfarrer soll erst mal ordentlich lernen, wie man eine Gemeinde leitet, bevor er sich auf ein Sonderpfarramt bewirbt. So kam er mit einer halben Stelle in die Gemeinde im „Dicken Busch“ in Rüsselsheim, machte mit ein paar Zusatzstunden Unterricht an verschiedenen Stellen, übernahm Vakanzvertretung in Kelsterbach und Mörfelden und kam dann doch durch einen glücklichen Zufall zu seiner ersten „eigenen“ Schulstelle an der Wilhelm-Leuschner-Gesamtschule in Mainz-Kastel. Ingrid und er zogen zusammen, zuerst sehr beengt in Raunheim, dann in einem schönen Haus in Darmstadt-Arheilgen. Dort wurde dann endlich geheiratet, allerdings in ganz kleinem Kreis und sehr ruhig, denn erst eine Woche vorher war Ingrids Mutter, die die letzten Wochen bei ihnen lebte, gestorben. So eng liegen Trauer und Freude oft nebeneinander.

1996 wechselte er dann nach Babenhausen an die Joachim-Schumann-Schule, eine integrierte Gesamtschule mit dem sehr fortschrittlichen Profil einer „Offenen Schule“. In dieser Zeit war er auch über Jahre mit einigen Zusatzstunden an der Ernst-Reuter-Schule in Richen.

Da er es nicht für besonders sinnvoll hält, wenn sich ein Pfarrer oder eine Pfarrerin parteipolitisch engagiert, er aber trotzdem gerne in der Gesellschaft auch außerhalb der Kirche aktiv sein wollte, war er über viele Jahre in den Wahlvorständen von Kommunal-, Landtags-, Bundestags- und Europawahlen und zehn Jahre als Jugendschöffe an Amts- und Landgericht Darmstadt tätig.

2013 war es dann mal Zeit zum Wechseln. So ging es an der Peter-Behrens-Berufsschule in Darmstadt weiter. Dort hat er die Schulseelsorge mit seinem katholischen Kollegen aufgebaut. Sein Vorgänger war zwar in dieser Richtung schon sehr aktiv, mit der Neubesetzung gab es aber einen festen Stundenanteil für Seelsorge. So entstand ein extra Raum für Gespräche und Treffen und es gab einige Aktivitäten innerhalb und außerhalb der Schule. Nach zweieinhalb Jahren war dann nochmal Gesamtschule angesagt, von der 5. Klasse bis zum Abitur, an der Albert-Einstein-Schule in Groß-Bieberau. Aber da war die Demenz von seiner Ingrid schon so fortgeschritten, dass eine ständige Betreuung nötig war. Er hätte einen Heimplatz gebraucht oder eine 24-Stunden-Betreuung. Aber die beiden hatten sich doch mal versprochen, in guten und schlechten Tagen zusammen zu halten. Deshalb hat sich der Andi 2017 beurlauben lassen. Es war wohl eine zunehmend schwere Zeit, aber das weiß ich nicht so genau. Da müsst Ihr ihn mal selber fragen, wenn ihr mehr wissen wollt. Nur Mut, er kann damit sehr offen umgehen.

Am 18. Januar 2020 ist Ingrid ganz friedlich zu Hause gestorben. Und wie es dann weiterging, das habt ihr ja schon gelesen. Und deshalb ist hier Schluss mit meinem Bericht und ich kann mal ’ne Runde schlafen, bevor wir anfangen, gemeinsam Semd zu erkunden und euch alle kennenzulernen.

Aktualisiert am 27. Juni 2022 09:03 Uhr